Vorsichtige Gehversuche

Wer bin ich überhaupt?

Das ist wahrscheinlich direkt zu Anfang die Frage, um die es auf meinem Blog immer wieder gehen wird. Ich bin mir da selber zuweilen nicht immer ganz sicher. Aber wer kann das schon von sich behaupten?
Ich denke in erster Linie bin ich ein durchschnittlicher Student einer Geisteswissenschaft in seinen Mittzwanzigern, wie es sie in Deutschland zu Tausenden gibt. 

In der Regel gestaltet sich der Alltag als ein solcher in Form der "üblichen" Studentenbeschäftigungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: 
  • Unmengen an Fachtexten etablierter, schlauer Köpfe wälzen (mit zugegeben sehr wechselnder Intensität, der ein oder andere wird wissen wovon ich spreche)
  • irgendwelche mehr oder weniger sinnvolle Leistungsnachweise und/oder Referate vorbereiten
  • sich darüber Gedanken machen, was diese Form von "Leistungsnachweis" eigentlich bringen soll (Warum muss nochmal zu Beginn einer jeden Veranstaltung durch ein Gruppenreferat die komplette Pflichtlektüre Absatz für Absatz durch eine Referatsgruppe paraphrasiert werden, Herr Prof. XY?- Achja, das reduziert Ihren Vorbereitungsaufwand auf die Erstellung eines Seminarplans. Cheers.)
  • nebenbei zusehen, dass man sein schmales Budget durch x-beliebige Nebenjobs aufbessert
  • sofern das Budget gerade mal aufgebessert ist, der Prokrastination fröhnen (siehe Punkt 1 und 2; "Wow, die Küche/das Bad/ Wohnzimmer ist echt mal wieder ganz schön schmutzig...")
  • nach (hoffentlich) sinnvollen Praktika suchen, die deutlich zu häufig unvergütet sind, für die man aber trotzdem einen Bewerbungsaufwand treiben soll, als gehe es um einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei seinem Traumarbeitgeber
  • je näher der Abschluss kommt immer beständiger in Panik verfallen, ob man die letzten Jahre etwas sinnvolles studiert hat; ob man jemals seinen Weg in den Arbeitsmarkt finden wird oder man doch lieber nochmal etwas ganz anderen machen sollte
  • diese Panik durch kollektive Huldigung der internationalen Getränkequalität sowie körperliche Verausgabung in Form von Tanzen (oder zumindest was man dafür hält, oberste Devise hierfür) zum Schweigen zu bringen
  • wenn man noch immer zu viel Zeit zu haben scheint: anfangen einen Blog zu schreiben.

 

Ziemlich durchschnittlich? Vielleicht. Aber vieleicht genau deswegen relevant. Natürlich sind viele dieser Punkte nichts weiter als Luxusprobleme, was mir auch vollkommen bewusst ist. Ich glaube es handelt sich um eine Form von Orientierungslosigkeit, die mich beständig heimzusuchen scheint, aber nach diversen Gesprächen mit Freunden ein mutmaßliches Symptom einer ganzen Generation zu sein scheint. 
Dieser Zustand ist aber ebenso auch Privileg. Ein Privileg, das meine Eltern vor rund 35 Jahren sicher nicht hatten, aber es trotzdem fertig gebracht haben, mir meinen Weg bis an die Uni zu ebnen. Es geht also hier nicht darum, hier ein paar Tränen zu vergießen, wie schwer man es doch hat. Dafür geht es uns sicher zu gut.

 

Noch ein Blog also. Was soll ich hier?

So weit zu meinem Alltag. Natürlich ist jetzt die drängenste Frage: Worum soll es in meinem Blog gehen? Und warum zum Geier soll das andere Menschen interessieren?
Nun, vielleicht möchte ich mich in erste Linie über die eben angesprochenen Aspekte meines Alltags auslassen. Vielleicht möchte ich mich auch damit beruhigen, dass es Anderen in Sachen Zukunftsgestaltung genauso geht wie mir. Vielleicht möchte ich hier nebenbei noch die ganzheitlichen Fragen des Seins aufklären (Aufstehen oder Liegenbleiben? Sport oder Breaking Bad? Kräuter oder Klarer? Döner oder Pizza?). 
Vielleicht habe ich aber auch einfach nur Lust dazu etwas zu schreiben.

Auf diesem mehr oder weniger rationalen Gerüst aufbauend möchte ich meine Gedanken über unsere Gesellschaft, unsere Medien und unsere politische Landschaft ausbreiten, allerdings ohne dabei stocksteif oder bitterernst zu sein. Vielmehr auf eine Art und Weise, die verschiedenene Perspektiven ermöglichen, verschiedene Graustufen sozusagen.

Konstruktive Kritik soll bei meiner Unternehmung immer eine wichtige Rolle spielen, deswegen seid um Anregungen und Verbesserungsvorschläge nicht verlegen. Außerdem soll hier jeder seine Meinung vertreten und mich und andere sachlich kritisieren können. Ich hoffe es finden sich ein paar Menschen dafür. Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer, so viel weiß ich schonmal. Oftmals fehlt es aber auch nur an einem bisschen Mut. 



Wohin soll das hier bloß alles führen?

Im Idealfall finden sich hier tatsächlich Menschen, die Lust haben, neben der Flut sinnentleerter Popkultur sachlich zu diskutieren und den Idealisten in Sich mal phantasieren zu lassen. Oder zumindest selbst sinnentleerte Sachen zum Besten zu geben.

Im schlechtesten Fall interessiert das Ganze doch niemanden und ich kehre wieder zu der altbewährten WG - Küchen - Philosophie zurück. Zumindest will ich es auf den Versuch ankommen lassen.

Als kleinen Ausblick kann ich sagen, dass ich mir zuletzt viele Gedanken über Zugangsgerechtigkeit im Bereich Bildung gemacht habe. Egoistischerweise ausgelöst dadurch, dass ich zuletzt auch persönlich die Erfahrung machen musste, dass die Behauptung, jeder könne in diesem unseren fortschrittlichen Land durch Eigeninitiative alles erreichen, ein Märchen ist. 

Ich erinnere nur kurz an den genialen Kopf, der mir mit seinem Scharfsinn aus der Seele gesprochen hat: Die Nicht - Bewerbung


Nichts Neues sagt Ihr? Dann scheint Ihr hier genau richtig zu sein.





Kommentare

  1. Klingt nach einem neuen interessanten Forum für junge Menschen zum Austausch, Inspiration und Diskussion rund um Themen, die einen im Alltag so beschäftigen.
    Viel Erfolg beim Schreiben dieses Blogs!

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  2. derweilen am verweilen, gestoßen über einige Meilen auf die webseite in der Gedanken sich zerteilen um sich im nach hinein zu vereinen.

    Einige Gedankengänge sind echt toll, maybe > blog follower

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  3. Schöner Blog, gefällt. Aber ich würde den weißen Text auf Schwarzen Grund vielleicht nochmal überdenken. Nach paar Absätzen verdammt anstrengend für die Augen. Für 'Graustufen' funktioniert doch weicherer Kontrast. ;) Liebe Grüße, W.

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